Wenn es um Anstriche auf neuer Raufaser geht, scheiden sich die Geister. Es gibt verschiedene Techniken.

 

Der eine hält die traditionelle Arbeitsweise – Beschneiden der Randzonen, Vorlegen der Randzonen und zweimaliger Roll-auftrag – für das einzig Wahre, wogegen der andere auf Abkleben der angrenzenden Flächen setzt und mit einer hochwertigen Innendispersion in einem Arbeitsgang die „volle Deckung“ aufrollt. Die Technikfans hingegen setzen auf Maschineneinsatz. Es wird ordentlich abgeklebt und abgedeckt, bevor die Innendispersion mit einem Airlessgerät aufgetragen und mit einer Rolle nachgerollt wird.

Wo nun die Vor- oder Nachteile der einzelnen Arbeitsweisen liegen, wollte Dirk Bürger, Bauleiter der Firma Bondke, unter Baustellenbedingungen herausfinden. Ein geeigneter Neubau stand gerade zur Ausführung an, sodass der Vergleich in absolut identischen Büroräumen unter identischen Bedingungen stattfinden konnte.

Die ausgewählten Büroräume haben eine Grundfläche von ca. 15 m², ein raumbreites Fenster und ein großes Türelement als Verbindung zum Flur. Es waren nur die Wandflächen zu bearbeiten, die Deckenfläche wurde nach den Malerarbeiten mit einer abgehängten Akustikdecke gestaltet. Lediglich die Deckenprofile waren – zum Zeitpunkt der Malerarbeiten – bereits montiert. Die Fenster sind, ebenso wie die Türelemente, hochwertige und oberflächenfertige Holzkonstruktionen mit entsprechender Verglasung. Als Bodenfläche liegt ein Estrichboden vor.

 

Traditionell

 

In Raum 1 wird traditionell gearbeitet. Der Malergeselle legt los. Ganz ohne Abdecken geht es nicht; das hochwertige Türelement und die Fensterbank werden mit folienkonfektioniertem Klebeband vor Farbspritzern geschützt. Dann werden circa fünf Liter Innendispersion in einen Eimer umgefüllt und zum Beschneiden etwas verdünnt. Im Büro sind rund um Fenster, Tür und Deckenprofil 28 Meter zu beschneiden. Die zu bearbeitende Wandfläche in dem Büro umfasst 35 m². Als Wandfarbe wird in diesem Raum eine rollfertig eingestellte Innendispersion mit einem Kontrastverhältnis der Klasse 2 bei 7 m² eingesetzt; genau die richtige Wahl, wenn die neue Raufaser in zwei Arbeitsgängen beschichtet werden soll.

Abdecken, Beschneiden und zweimaliger Anstrich haben in diesem Raum 78 Minuten gedauert; 8 Minuten Abdecken sowie 70 Minuten Anstricharbeiten.

 

Walze und Eckenroller

 

Geht es schneller, bei gleichem Ergebnis? Das wird nun in Raum 2 mit einer ganz anderen Arbeitsweise ausprobiert. Hier wird zunächst „vernünftig“ abgeklebt und abgedeckt. Alle an die Raufaser angrenzenden Flächen (Fenster, Tür und Deckenprofil) werden mit dünnem Präzisions-Abdeckband abgeklebt. Fenster, Fensterbank und Türelement werden zusätzlich rundum mit folienkonfektioniertem Klebeband geschützt. Endlich kann mit den eigentlichen Anstricharbeiten begonnen werden. Es wird eine rollfertig eingestellte Innendispersion mit einem Kontrastverhältnis der Klasse 1 bei 8 m² eingesetzt. „Wenn das Ergebnis mit einem Anstrich gut werden soll, muss die Innendispersion das höchstmögliche Deckvermögen aufweisen und die Verarbeitungsweise muss angepasst werden“, erklärt Georg Arnds, Technischer Berater von Brillux, der den Objektversuch begleitet.

Jetzt wird nichts vorgerollt oder vorgestrichen. Es geht direkt mit der großen Walze los. Bahn an Bahn wird die Wandfarbe aufgetragen; die Raumecken und die Ecke zum Deckenprofil werden nass in nass mit einem Eckenroller nachgerollt.

Nach 33 Minuten erstrahlt der Raum volldeckend und mit gleichmäßiger Oberfläche – 31 Minuten dauerte das sorgfältige Abkleben und Abdecken. Trotzdem ergibt sich bei dieser Verarbeitungsweise ein zeitlicher Vorteil von 18 Prozent, da die Arbeiten insgesamt 14 Minuten weniger Zeit benötigten. Ein ordentliches Ergebnis bei einmaligem Anstrich.

 

Airlessgerät

 

Geht es noch schneller, unter Beibehaltung einer guten Oberfläche? Nun wird Raum 3 in Angriff genommen; die Abklebearbeiten wurden hier genau so wie in Raum 2 vorgenommen. Im Flur steht nun ein Airlessgerät für den Farbauftrag bereit. Mit der kleinen Kolbenpumpe wird nun die hochdeckende Innendispersion von Georg Arnds auf die Wandflächen aufgetragen. Ein Geselle der Firma Bondke rollt die Flächen mit einer Farbwalze nach. Der Eckenroller wird nun nicht benötigt, da durch den Airlessauftrag überall gleichmäßig Farbe aufgelegt worden ist.

Die Wandflächen von Raum 3 sind nach nur 9 Minuten gleichmäßig weiß. Aber hier haben ja auch zwei Malergesellen gearbeitet. Trotzdem konnten 29 Minuten im Vergleich zu Raum 1 eingespart werden – das entspricht einer Zeitersparnis von 37 Prozent. Mit dieser enormen Zeitersparnis hatte Dirk Bürger nicht unbedingt gerechnet.

Wenn es mal schnell gehen muss und die Objektbedingungen es zulassen, wird die Firma Bondke in Zukunft häufiger die maschinenunterstützte Arbeitsweise einsetzen. Allerdings braucht es natürlich auch ein paar Tage, bis ein geeignetes Team gefunden und eingearbeitet ist, denn nur gut aufeinander eingestellte Teamplayer sind in der Lage, diese Flächenleistung zu schaffen.

Aber Zeit ist ja nicht alles, werden nun die Traditionalisten unter den Lesern anmerken. Das dünne Präzisionsabdeckband und die folienkonfektionierten Klebebänder haben ja auch ihren Preis. Und das Airlessgerät fliegt nicht zur Arbeitsstelle und reinigt sich hinterher auch nicht selber, werden die Maschinengegner einwerfen. Sie haben natürlich recht, das muss in der Kalkulation berücksichtigt werden.

Für den Airlesseinsatz haben wir Rüstzeiten berücksichtigt. Das Aufstellen und Reinigen des Geräts hat an der Testbaustelle 36 Minuten in Anspruch genommen. Demgegenüber steht eine Tagesleistung von ca. 1.200 m², die von den zwei Gesellen unter den gegebenen Voraussetzungen beschichtet werden. Der Minutenansatz pro m² erhöht sich hierdurch um 0,03 Minuten bzw. um 0,02 €/m².

Bleibt das Gerät mehrere Tage auf der Baustelle im Einsatz, beziehen sich die 36 Minuten auf die gesamte Einsatzdauer, da das Gerät nicht jeden Tag gereinigt wird!

 

Ergebnis

 

Der Vergleich der drei Arbeitsweisen zeigt, dass ein traditioneller, zweimaliger Anstrich auf neuer Raufaser mit höheren Kosten und größerem Zeitaufwand verbunden ist, als sie bei den beiden anderen Varianten auftreten. Insbesondere, wenn die Zeit knapp bemessen ist, schlagen die Einschichtvarianten die traditionelle Verarbeitung.

Inklusive der Farbbereitstellung werden bei Variante 2 ca. 7 Büros (245 m²)/Tag/Geselle komplett fertiggestellt. Bei der maschinenunterstützten Variante sind es 9 Büros (315 m²)/Tag/Geselle. Die traditionelle Variante bleibt mit 6 Büros (210 m ²)/Tag/Geselle deutlich zurück.

Der Einsatz einer hochwertigeren Innendispersion und eine angepasste, rationelle Arbeitsweise lohnen sich also auf jeden Fall, wenn die Arbeitsweise der Leistung der Innendispersion angepasst wird. Und wer bereits ein ganz normales Airlessgerät in der Werkstatt stehen hat, der kann mit der maschinenunterstützten Verarbeitung den Gewinn optimieren.